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Mein etwas anderes Erlebnis auf der Equitana

Mein etwas anderes Erlebnis auf der Equitana

MEIN ETWAS ANDERES ERLEBNIS AUF DER EQUITANA

Mama telefonierte mit Familie Jordanow, aber schon schnell war eine Lösung gefunden: Ellen würde Avalon auf der Equitana reiten.

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Ellen ist Mitte 20 und erfolgreiche Reiterin im Parasport in Grade III. Sie leidet an Muskeldystrophie Duchenne, eine bestimmte Art von Muskelschwund, seit ihrer Geburt. Sie äußert sich hauptsächlich durch Schwäche und daraus resultierenden Koordinationsstörungen. Ihr Fuchswallach Valerio, mit dem sie ursprünglich bei der Quadrille der Pavo Hengstshow auf der Equitana mitreiten wollte, war erkrankt. Unter Reiterkollegen war es für uns selbstverständlich ihr anzubieten, ob sie es mit Avalon probieren möchte. Wir wussten, wenn einer unserer Pferde die Show mit links meistert, dann unser Alf.

Einen Tag bevor es zur Equitana losgehen sollte, trafen Ellen und ihre Mama Ines, nach einer langen Fahrt, bei uns ein und wir fuhren, nach einem gemütlichen Stück Kuchen, zu unseren Pferden auf die Krötenburg. Schließlich sollte Ellen wenigstens ein Mal bevor sie in einer großen Quadrille von 16 Hengsten mitreiten sollte, Avalon zur Probe geritten haben. Ich setzte mich ans Viereck unseres großen Außenplatzes und gab Ellen und Avalon, über das Ceecoach, Anweisung. Avalon verlangt einen 100% korrekten Sitz und eine ruhige Hand. Er möchte also komplett aus der Körpermitte geritten werden. Schwierig für Ellen, da Valerio etwas anders funktioniert, aber durch Ellens großartiges Einfühlungsvermögen und ihren ruhigen Sitz, war es gegen Ende kein Problem mehr für sie, Avalon „vorsichtig“ anzugaloppieren.

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Samstag ging es los Richtung Essen, auf die größte Pferdesportmesse der Welt- die Equitana. Wie ein König konnte Avalon, dank Humbaur, in unserem nigel nagel neuen Maximus reisen. Der zugegebener Maßen in knall-orange ein wenig auffällt. Schön, wenn man Nachrichten auf der Autobahn bekommt: „Euch kann man gar nicht mehr übersehen- viel Spaß auf der Equitana!“ Ellen, Iris und meine Mama kümmerten sich gut um unseren sanften Riesen. Sie stallten ihn in einem der vielen Stallzelte ein, absolvierten ein weiteres kleines Training und Avalon ist im Handling sowieso ein Schatz. Kein Motzen, kein Meckern. Einfach ankommen, Fressen und Wohlfühlen. Ich kam Samstag Nacht nach, da ich leider noch bis spät abends arbeiten musste.

Sonntag, um 7 Uhr in der Früh, hatte Ellen schon ihre erste Trainingseinheit mit der gesamten Quadrille. Avalon war, wie erwartet, super brav. Mal ein kleiner Buckler hier, ein Kopfschlagen da, aber nichts, wo Ellen sich Gedanken machen müssten. Gegen Mittag schnappte ich mir Avalon aus seiner Box, damit er sich ein bisschen die Beine vertreten konnte und wir erkundeten das „Stallzelt-Gelände“ der Equitana. Die Boxen waren zugegeben wirklich dunkel, also bemühten wir uns mit Avalon so oft wie möglich spazieren zu gehen, damit er viel rauskommt. Als erstes erblickten wir eine riesige Führmaschine, in der man die Pferde jederzeit bewegen konnte. Ein Aufpasser, der dafür sorgte, wann, wie lange und wie viele Pferde in die Anlage dürfen, war immer vor Ort. Ein Stückchen weiter gab es eine kleine Abreitehalle, vielleicht 20x30m groß, ganz schön eng für so viele Pferde- für so viele unterschiedliche Pferde! Welten prallen aufeinander. Spanier, neben Westernreiter, töltende Isländer neben Kutschen und Freiheitsdressur mit Springreiterin. Was für ein Mix! Hallo und herzlichen Willkommen im Chaos. Aber es funktionierte- einwandfrei. Man passte aufeinander auf. Natürlich war wenig Platz, aber alle hatten wenig Platz, also arrangierte man sich. Nachmittags trabte und galoppierte Ellen Avalon noch ein bisschen locker. Die Quadrille als Programmpunkt sollte erst um 22:10 Uhr dran sein- wir mussten uns also noch ein bisschen gedulden. Die Aufregung stieg.

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In der Zwischenzeit machten meine Mutter, mein Vater, der mittlerweile eingetroffen war und ich, die Messehallen der Equitana unsicher. Wirklich jedes Reiterherz schlägt hier höher! Außerdem mussten wir noch Karten für die Hengstshow am Abend kaufen. Auf dem Weg zum Ticketschalter, schauten wir noch kurz bei Humbaur vorbei, um uns nochmal für diese großartige Möglichkeit zu bedanken, ein Jahr lang, einen neuen Maximus fahren zu dürfen. Unsere Pferde lieben ihn. Wir wurden wieder so herzlichen begrüßt und waren sprachlos, als wir den Maximus Deluxe auf einer Empore mit digitaler Bildershow gesehen haben. Es sah aus, als würde er seine Farben wechseln, als wäre der Lack animiert und immer neue Bilder zeigten auf der Verkleidung des Maximus auf. Das Humbaur wirklich ALLES möglich macht, wurde uns wieder bewusst, als Frau Niederreiner mit vier Karten für die Hengstshow winkte. Sie sagte so schön: „Das Unmögliche machen wir möglich, für Wunder brauchen wir 5 Minuten!“ Ein Slogan der wirklich zu Humbaur und dem gesamtem Team passt. Nochmal vielen lieben Dank!

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Vier Karten? Wieso Vier? Mama, Papa, Mareike.. das sind drei. Wir trafen meine liebe Vero (Instagram: cashmansbest) und wir verbrachten den Abend gemeinsam, einen unvergesslichen Abend! Pünktlich um 20 Uhr begann die Hengstshow. Es war eine lockere Atmosphäre mit guter Moderation. Viele tolle Hengste, aus fast jeder Sparte des Reitsports wurden präsentiert. Beeindruckend war eine komplette LED Wand, wo die Pferde einritten, die ihre Bilder und Farben wechselte.

22:10 Uhr – SHOWTIME. Mama filmte, Papa machte Bilder und ich? Ich zitterte am ganzen Körper. Was war ich aufgeregt! Vero nahm meine Hand und teilte meine Aufregung mit mir. Wie musste Ellen sich wohl fühlen, in so eine atemberaubende Arena, mit hunderten von Zuschauern, einreiten zu dürfen? 12 prachtvolle Hengste und 4 Wallache, mit Reitern aus dem Parasport, ritten zu einer kreisförmigen Aufstellung ein. Alle trabten, außer Avalon. Er galoppierte in einer Seelenruhe zwischen den Pferden, störte das Gesamtbild aber nicht. Im Nachhinein erzählte Ellen, dass kurz vor dem Einritt, ein aufgeregter Hengst stieg und an Avalon vorbei sprang, er sich kurz erschreckte und sie deswegen im Galopp einritt. Machte überhaupt nichts. Das Schaubild begann. Zu einer ruhigen aber modernen instrumental Musik trabte die gesamte Quadrille los. Sie zeigten die schönsten Figuren. So gleichmäßig und das nach nur zwei Mal gemeinsam üben! Am schönsten war für mich die Mühle. Die Räder der Mühle bestanden aus jeweils 4 Pferden. Die Pferde innen gingen Schritt, die äußeren Galopp, sodass die Mühlenräder sich drehten. Zwischen all den Pferden machten Ellen und Avalon einfach ihr Programm. Unfassbar, dass sie ihn dort zum vierten Mal ritt. Der ein oder andere Buckler blieb nicht aus, aber bestimmt vor Freude und beim Ausritt hat Avalon nochmal richtig Gas gegeben. Ellen meinte: „Am Ende habe ich im Trab nur noch seine Beine vorne gesehen.“ Das Publikum jubelte und war beeindruckt von den vier Handicap Reitern, die die Quadrille bereicherten. Trotz Behinderung an so einem Showprogramm teilnehmen zu können, zeigt erstmal, dass diese Reiter keine Ausreden kennen. Geht nicht, gibt’s nicht. Ich ziehe meinen Hut!

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Direkt nach Ellens und Avalons Auftritt trafen wir uns im Stallzelt und feierten beide. Für Avalon gab es eine ordentliche Belohnung, ein leckeres Mitternachtsmash. Er ist und bleibt unser Herzenspferd. Ellen, das hast du so großartig gemacht, den Mut zu haben, mit einem für dich fremden Pferd, in so einer Kulisse, vor so vielen Menschen, euer Können unter Beweis zu stellen. Jederzeit und immer gerne wieder! Unser etwas anderes Erlebnis auf der Equitana 2017- wir kommen wieder!

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(Nachwort: Etwas Verhängnisvolles ist mir auf der Equitana leider aufgefallen: die wenigsten Reiter trugen einen Helm! Was ist denn nur los? Ich habe erzählt, was für ein Gewusel in der kleinen Abreitehalle herrschte- Stuten, Hengste, Jungpferde, ängstliche Pferde. Jegliche Form der Reiterei war vertreten. Ihr habt nur diesen einen Kopf, schützt ihn! Schützt nicht nur euch, schützt auch andere. Ihr solltet Vorbild sein! Für jung, für alt. Für erfahrene, für unerfahrene Reiter. Ich trage IMMER Helm und ihr?)

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