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Lehrgang bei Carl Cuypers

Lehrgang bei Carl Cuypers

HOFGUT ROSENAU – entstand 2014 in Dreieich als eine der beeindruckendsten, privaten Pferdesportanlagen Deutschlands. Unter der Leitung des belgischen Grand-Prix-Reiters und -trainers Carl Cuypers werden vornehmlich Nachwuchspferde – auch unter dem Sattel von AnnaNolte –  an die Aufgaben des schweren und internationalen Dressur-Sports herangeführt. (Quelle: https://www.hofgut-rosenau.com/hofgut-rosenau/)

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Vor einigen Wochen erhielt ich per E-mail eine Einladung vom Trakehner Verband, mit Avalon (v. Gribaldi / Trakehner), an einem 2-Tages Lehrgang bei Carl Cuypers auf Hofgut Rosenau, teilnehmen zu dürfen. Die Freude war groß- endlich mal wieder ein Lehrgang!

11.04.’17 – Mama und ich fuhren gemeinsam auf die Krötenburg, zu unseren Pferden und putzten Avalon raus. Glänzen sollte der lackschwarze Rappe. Man möchte sich schließich von seiner besten Seite zeigen. Die weiße Schabracke, die weißen Bandagen, die Bandagierunterlagen und natürlich das frisch geputzte Sattelzeug durften nicht fehlen. Natürlich war ich passend in schwarz/weiß gekleidet. Zusammen passen muss es ja, falls es mit dem Reiten nicht klappt, sah man wenigstens gut aus. Wir fuhren also mit guter Laune und lauter Musik los Richtung Dreieich. Noch etwa 500m bis zum Ziel und wir fragten uns, wo soll hier eine Reitanlage sein? Wir befinden uns doch in Mitten eines Wohnviertels. Wir bogen rechts ab, in eine Sackgasse, folgten dem schmalen Weg über die Brücke und dann… dann fiel uns die Kinnlade runter! Ein weit geöffnetes Tor lud auf Hofgut Rosenau ein. Einige Wegweiser führten uns über den hell gepflasterten Steinboden direkt zum Hängerparkplatz. Wir fuhren linke Hand an einer wunderschönen, mit hellen Holzelementen versehenen Reithalle vorbei, rechte Hand die 8h großen Koppelflächen. Frau Baier begrüßte uns ganz herzlich auf Hofgut Rosenau und führte uns vom Hängerparkplatz durch eine automatische Schiebeglastür, (ja – ihr lest richtig, so eine automatische Tür wie im Einkaufscenter, nur viel größer und komplett streifenfrei) in den Funktionsbereich, wo sich Waschboxen mit Warmwasser, Gebläse mit Farblichttherapie, Laufband, Solarium und die Sattelkammer befanden, die stilvoller eingerichtet ist, als mein Wohnzimmer. Die Wände geschmückt mit wundervollen schwarz/weiß Aufnahmen von Pferden. Sie zeigte uns kurz die 20x60m Halle, in der wir Einzeln unsere Lehrgangseinheit absolvieren würden. Wer jetzt denkt, 20x60m ist ja eine ganz normale Halle- stimmt, aber welche Halle ist beheizbar, hat LED Leisten in der Bande, die ihre Farbe wechseln können und einen Faltscreen, der so groß ist, dass er nicht mal auf meinen Balkon passt?! Direkt angrenzend zur Reithalle ist ein traumhaft großer Außenplatz mit den Maßen 40x70m, mit weißem Sand, der die Konsistenz hat, als könne man eine perfekte Sandburg damit bauen. Ich kam aus dem Strahlen nicht mehr raus, als ich sah, dass die komplette „kurze“ Seite verspiegelt war. Jetzt war es aus uns vorbei. Ich sprang auf und ab, wie ein kleines Kind. Aus dem Strahlen kam ich nicht mehr raus. Das hatte ich nicht erwartet. Frau Baier grinste, ich glaube sie kennt die Reaktionen der Leute zu genüge, wenn sie zum ersten Mal Hofgut Rosenau betreten. Zum guten Schluss, zeigte sie uns noch einen Raum, in die Fassade der Reithalle eingelassen, von wo aus man dem Unterricht mit Herrn Cuypers folgen konnte. Ich finde, man lernt unglaublich viel, nur vom Zusehen und Zuhören. Es standen schon frischer Kuchen, Kaffee, Butterbrezeln und Softdrinks bereit. Herr Cuypers stand in der Halle, bereit für die nächste Einheit, bemerkte uns, drehte sich um, lächelte und streckte uns direkt die Hand über die Bande zu. Es war eine sehr herzliche Begrüßung, als ob man sich schon Jahre kennt und öfter zum Training vorbei kommt.

Jetzt aber los – genug von dieser traumhaften Anlage geschwärmt. Mama und ich machten Avalon fertig, bereit für den Lehrgang, meine Motivation war größer als der Grand Canyon. Als ich den großen Außenplatz mit Avalon betrat, den perfekten Sandboden unter seinen Hufen spürte, wusste ich- die zwei Tage geben wir Vollgas. So eine Chance muss man nutzen. Ich nahm mir lange Zeit zum Schritt reiten. Eine Lehrgangseinheit ging 45 Minuten. Ziemlich lang wie ich fand, also nahm ich mir vor, Avalon auf dem Außenplatz nur locker zu lösen. Konnte mir aber nicht verkneifen über die Diagonale drei 4-er Wechsel zu reiten, ich wusste es würde klappen. Zu Hause fehlt einem manchmal der Platz, um einen schönen, frischen Galopp aufzubauen und sich auf der Diagonalen Zeit lassen zu können, weil sie im nächsten Moment schon wieder fertig ist. Außerdem konnte man sich immer wieder im Spiegel korrigieren- goldwert! Was für ein Gefühl!

 

13.15 Uhr – wir waren dran! Ich ritt in die Halle. Lichtdurchflutet. Überall hohe Fenster. Saubere Fenster. Eine kurze und ein Stück der langen Seite verspiegelt. Avalon war sichtlich beeindruckt und wollte nicht ganz an der hohen hellen Bande entlang. Macht nichts. Zweiter Hufschlag ist auch super. Fällt bestimmt nicht auf. Herr Cuypers rief uns zu sich und bat mich ein bisschen über Avalon zu erzählen. Dafür nahm er sich wirklich Zeit, fragte immer wieder Dinge. „Unsere fliegenden Wechsel- das ist definitiv ein Knackpunkt“. Genau so sagte ich es. Ich sollte noch einen Moment vorreiten, einen Wechsel nach Links, einen nach Rechts, aber es dauerte keine zwei Minuten und wir fingen an zu arbeiten. Im Galopp. Das war unser Schwerpunkt für den heutigen Tag. Es ging darum Avalon unabhängiger, aber beständiger vom Bein und der Hand zu bekommen. Sein Hinterbein ist schnell genug, sagte Herr Cuypers, wir müssen an der Vorhand arbeiten. So habe ich das noch nie gesehen. Aber er hatte Recht. Immer wieder ritt ich auf den zweiten Hufschlag, im Handgalopp und musste traversartig, aber im Genick gerade gerichtet, ungefähr 1m zur Hallenmitte reiten, umstellen, umspringen lassen und das gleiche wieder zurück auf den zweiten Hufschlag Richtung Bande. Bewusst und bestimmend mit dem Bein den Wechsel auslösen, mit dem ich generell meine fliegenden Wechsel auslöse. Ein Patent, ob man den fliegenden Wechsel am inneren oder äußeren neuen Bein auslöst, gibt es nicht, das erzählen uns die Pferde. Kurze Pause am langen Zügel im Schritt. Herr Cuypers erklärte. Er nahm sich immer wieder Zeit für Erklärungen, für mich, aber auch für die Zuschauer. Weiter geht’s. Auf dem Zirkel. Im Galopp. Zirkel verkleinern, Durchsprung nicht verlieren, Avalon mit dem inneren Zügel in die Versammlung holen, nicht mit dem äußeren, bloß nicht die Einbeinstütze blockieren. So habe ich das noch nie gesehen. Aber auch das funktionierte. Nun an eine Arbeitspirouette denken. Den äußeren Zügel vom Hals wegnehmen. Aber immer wieder nach innen abstellen. Locker halten im Genick. Loslassen. Nachtreiben. Das sorgte bei mir erst einmal für Koordinationsprobleme. Aber nach einiger Zeit verstand ich, wie es funktionieren sollte und ich merkte, ich habe zu Hause die Arbeitspirouetten immer falsch geritten. Viel zu klein und viel zu sehr nach innen abgestellt. So konnte Avalon gar nicht weiter durchspringen. Kurze Pause. Schritt. Langer Zügel. Wieder Zeit für eine Erklärung.

Herr Cuypers merkte, dass ich Avalon noch nicht flexibel genug im Genick halten konnte. Der Grund, wieso Avalon mir die Wechsel immer vorgreift. Avalon merkt, ich stelle ihn gerade und schon ist der Wechsel da, ohne dass ich das will. Ohne dass er ihn richtig gut durchspringt. Also ging es in den Außengalopp, auf den Zirkel und immer wieder musste ich Avalon vorsichtig nach innen und nach außen stellen. Mein Galopp Schenkel bleibt verwahrend, sodass Avalon weiß, er muss nicht umspringen. Auch hier wieder: einfacher gesagt, als getan. Oft sprang Avalon mir in den Handgalopp. Ist klar, ist ja auch einfacher für ihn. Aber Herr Cuypers behielt permanent die Ruhe, einfach nochmal probieren, das müsst ihr üben, bestärkte er mich.

Fix und fertig, aber mehr als zufrieden, verließen wir die Halle und entspannten uns auf dem Außenplatz. Es war sicherlich nicht unser schönstes Reiten, ich bin immer sehr bedacht, korrekt und harmonisch auf dem Pferd zu sitzen, aber irgendwann muss man auch mal anfangen, effektiv zu reiten und genau das haben wir an unserem ersten Lehrgangstag getan. Absolut überrascht war ich, wie schnell Herr Cuypers unsere Problematik erkannt hat und woran wir vermehrt arbeiten müssen. Er konnte Avalon lesen wie ein Buch.

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12.04.’17 – Ich verarbeitete noch die Eindrücke vom vorherigen Tag, Ritt in Gedanken meine Stunde mit Herrn Cuypers nochmal durch, spürte nochmal, was Avalon mich hat fühlen lassen. Diesmal waren wir etwas früher auf Hofgut Rosenau und schauten uns noch einige Teilnehmer vor mir an. Egal welches Niveau man ritt, ob A oder S, Herr Cuypers konnte sich auf jeden Einzelnen einlassen und vor allem auch auf die Pferde.

Avalon war etwas unruhig beim Fertig machen, lief hin und her, blieb nicht ruhig stehen. Ich mag es ab und zu, wenn er so ist, weil ich dann weiß, er hat Energie, er will loslegen. Wunderte mich, ich dachte er hätte mindestens genau so viel Muskelkater, wie ich. Wir gingen wieder zum Aufwärmen auf den Außenplatz, rechts vom Platz wird gebaut. Bagger und Geräusche stören Avalon in der Regel nicht. Heute schon. Das machte mir aber nichts, ich musste in mich hinein lachen, weil ich genau wusste, er stellt sich ein bisschen an. Ein bisschen locker Trab, locker Galopp, die Bagger waren in der Zeit dann auch vergessen und los ging es für uns zur zweiten Trainingseinheit. Wir trabten in die Halle. Avalon fühlte sich gut an, sehr gut sogar. Herr Cuypers fragte, ob es etwas Bestimmtes gibt, woran ich noch arbeiten möchte oder ob wir an gestern mit der Galopptour anknüpfen wollen. Ich wollte gerne noch an unserer Trabmechanik arbeiten, Avalon trabt toll, schwebend, aber ich schaffe es noch nicht ihn ganz unter den Schwerpunkt zu bekommen, oft trabt er mit dem Hinterbein nach hinten raus. Er nickte und schlug vor, dass wir trotzdem am Anfang nochmal an der Galopptour arbeiten und anschließend uns den Trab vornehmen und fragte, ob Avalon es kennt, wenn man von Unten unterstützend dazu kommt. Avalon kannte es, aber mochte es nicht, also vermieden wir es meistens.

Ich nahm Avalon auf, wir galoppierten an – was für ein Galopp. Immer wieder motivierte uns Herr Cuypers, lobte, aber korrigierte im nächsten Moment. Arbeitsgalopp, versammelter Galopp, am inneren Zügel in die Versammlung weisen, als hätte ich einen Faden in der Hand, als möchte ich mit dem Faden, Avalons Vorderbein nach oben begleiten. Jetzt ins Zirkel verkleinern. Erstmal nur verkleinern. Nicht zu sehr zurück nehmen und nun mit dem äußeren Zügel gerade machen und mit dem inneren in die Arbeitspirouette holen. Avalon soll nicht mit dem Hinterbein klein und schnell rum treten, er soll mit dem äußeren Hinterbein nach vorne seitlich unter den Schwerpunkt kommen. Das bringt richtig schön Muskulatur in den Hintern. Nicht nur in Avalons Popo- da bin ich mir sicher! Wir brauchten nicht lange, der Galopp war da, die Übungen saßen. Wir haben nochmal 130% gegeben. Ein Wechsel nach links: sitzt, ein Wechsel nach rechts: sehr schön! Also ging es an den Trab. Ich sollte mich mit Avalon an der Bande positionieren und halten. Herr Cuypers kam mit einer Touchiergerte dazu. Er stellte sich an Avalons Kopf, redete mit ihm, klopfte ihn. Dann ging er seitlich und fing an, ganz vorsichtig mit der Gerte Avalons Hinterbeine abzustreichen. Gar kein Problem. Avalon schnaubte ab. Wir trabten los und im Takt tippte Herr Cuypers auf Avalons Oberschenkel immer kurz bevor er abfußte. Erst einmal ganz in Ruhe. Dann mit Ausdruck und mit einer deutlichen Vorwärtstendenz. Ich sage euch: nichts ist schöner, als dieses Gefühl! Ich kam schön zum Sitzen und Avalon tanzte unter mit. Umso mehr freute es mich, dass Avalons ehemalige Besitzerin Barbara zwei Tage lange zum Zuschauen kam und ihren Bubi so sehen konnte. Mit mir. Herr Cuypers bat mich noch einmal auf die andere Hand zu wechseln- ich konnte nicht mehr, meine Kraft war am Ende. Diese Trabdynamik muss ich noch lernen mit meinem Kreuz halten zu können. Ich fragte nach einer kurzen Schrittpause. Herr Cuypers motivierte mich und meinte: „Komm, ein bisschen noch, ein kurzes Stück noch auf der anderen Hand fühlen!“ Wir lachten, beide, die Zuschauer auch, als ich grinsend und mit hochrotem Kopf vorbei ritt. An meiner Kondition sollte ich eindeutig was ändern. Aber Glücksgefühle hatte ich bis ins Unermessliche. Damit beendeten wir unsere Einheit nach ca. 30 Minuten. Und das macht einen richtig guten Trainer aus! Es hätte nicht besser werden können, wir konnten die Übungen vom Vortag abrufen, wir erreichten unseren Höhepunkt im Training – Schritt. Entspannen. Loben. Glücklich und zufrieden sein. Gemeinsam.

Herr Cuypers– ich möchte mich für die Chance und die Möglichkeit, zwei Tage intensiven Lehrgang mit Ihnen erleben zu dürfen, bedanken. Mit ihrem warmherzigen belgischen Akzent, hält man gerne die Trabtour auch auf der anderen Hand noch durch. Sie motivieren und sind inspirierend. Sie fühlen sich unglaublich schnell in Pferd und Reiter ein und erkennen in nur wenigen Minuten die Baustellen, an denen gearbeitet werden sollte. Neue Trainingsansätze sind vertieft, neue Ziele sind gesteckt. Danke auch an das gesamte Team vom Hofgut Rosenau, ihr habt uns eine unvergessliche Zeit geschenkt. So freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns jederzeit wohl gefühlt und Avalon auch. 

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