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Avalon

Avalon

AVALON

– unser Herzbube.

 

„Aber Mama ging einfach zu ihm in die Box, legte sein Halfter an und führte ihn auf den Hänger, sie wusste von Anfang an, er wird unser Pferd für die Seele sein.“

Aber zurück auf Anfang. Ich suchte ein Pferd für die höheren Aufgaben. Ein Lehrpferd. Brav, lektionssicher und ein Kumpel fürs Leben. Mit einem Bekannten zog ich los und er hatte mir 3 Pferde ausgesucht, wo er fand, die könnten zu mir passen. Pferd 1 & 2 waren schon vielversprechend, aber ehrlich gesagt, sprang der Funke nicht über, ein bisschen traurig war ich schon. Also setzten wir uns ins Auto und fuhren 3 Stunden zu einem Pferd, wo ich nur wusste, dass er Rappe ist, M-Dressur platziert, S gegangen. Ich ahnte ja nicht wie schön Avalon war. Die damalige Besitzerin wohnt eigentlich ganz in der Nähe von uns, aber als ihr Mann verstarb, musste sie ihre gemeinsame Trakehnerzucht auflösen, also war Avalon in einem Verkaufsstall. Mama war beim Probereiten nicht mit, deswegen hatte ich die Kamera dabei. Ich ließ mir Avalon vorreiten und er gefiel mir eigentlich ganz gut. Dann kam der Moment, als ich mich auf diesen wunderschönen 1,80m Wallach von Gribaldi setzte. Die Erwartungen waren groß, die Enttäuschung noch größer. Weder gerade aus reiten, noch antraben funktionierte, von galoppieren brauchen wir überhaupt nicht reden. Er schnickte mit dem Kopf, trat nach meinem Schenkel. Als wir uns auf den „Nach-Hause-Weg“ machten, entschuldigte mein Bekannter sich vielmals dafür, dass er nicht wusste, dass Avalon so schwierig wäre. Stille im Auto. Avalon war nicht schwierig, er ist nur sensibel und verlangt einen 100% korrekten Sitz. Etwas, was ich damals nicht hatte. Irgendwann meinte ich: „Ich glaube der ist es.“ Ich habe irgendwas gefühlt, irgendwas gesehen in ihm, wo ich erahnen konnte, dass er mein Herzbube wird. Ich telefonierte lange mit Avalons Besitzerin, erklärte ihr, wie es beim Probereiten gelaufen ist, ich ihn nicht sofort kaufen könnte, weil ich von ein mal reiten nicht sagen kann, dass er mein Pferd wird. Sie bot mir an ihn 2 Monate probieren zu dürfen. Jetzt gab es nur noch ein Problem: meiner Mutter zu erklären, ein Pferd abzuholen, dass „nur“ 300km entfernt steht, ich ihr aber das Probereit-Video nicht zeigen könne, weil es da nicht viel zu sehen gibt, außer eine kleine Mareike, die irgendwie versuchte, wenigstens im Schritt am langen Zügel vorwärts zu reiten ohne dass das große Pferd nach ihrem Schenkel haut und wir ihn ab nun für 2 Monate beherbergen würden. Aber ich habe ja schon erwähnt, dass ich sehr überzeugend sein kann. Wir fuhren also mit einem leeren Hänger zu Avalon und ich war super aufgeregt. Ein Halfter und Transportgamaschen haben wir Gott sei dank eingepackt. Als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, hatte Mama schon das Halfter in der Hand und ich war aufgeregt ihr Avalon zu zeigen. Ein Pferd abzuholen von dem ich überhaupt nicht wusste, ob es funktionieren würde. Ich zeigte an das Ende der Stallgasse und ein großer Rappe mit weißer Blässe schaute uns an. Er wartete. Auf uns. Da bin ich mir sicher. Meine Mutter hatte bis dato immer ein bisschen Respekt vor so großen Pferden. Aber Mama ging einfach zu ihm in die Box, legte sein Halfter an und führte ihn auf den Hänger, sie wusste von Anfang an, er wird unser Pferd für die Seele sein.

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Heute – Avalon brachte meiner Mama wieder bei zu galoppieren. Nach ihrer Krankheit ein wahnsinnig großer Schritt für sie, denn sie kann die Spannung im Körper nicht halten, die man im Kreuz aber braucht, um zu galoppieren. Sie kann wieder ins Gelände reiten, ohne Angst zu haben. Er passt auf sie auf. Sie reitet auf großen Turnieren und er gibt ihr Sicherheit. Er ist ein unkomplizierter Schatz im Umgang. Mittlerweile läuft er mit Mama sogar Spring-/Cavalettistunde. Avalon lief im März ’17  auf der Equitana beim großen Schaubild der integrativen Reiter der Pavo Hengstshow, als Ersatzpferd mit einer, für ihn fremden, Para-Reiterin mit. Auch das meisterte er, wie gewohnt, mit Bravour. Und was wurde aus Avalon und mir? Ich reite Alf, so nennen wir ihn liebevoll, nicht mehr primär, sondern Mama, weil er ihr für den behinderten Reitsport so  viel Sicherheit gibt und er absolut unerschrocken und brav ist. Aber er lehrte mich unwahrscheinlich viel. Angefangen von den fliegenden Wechseln, über die Travsersalen und Pirouetten. Er schenkte mir Siege in L-Dressuren und 2016 meine erste M-Platzierung. Wir durften letzten Sommer einen 5. Platz in einer Flutlichtkür der Klasse M belegen. Wir reiten Vielseitigkeitslehrgänge und helfen in der Dressurmannschaft aus. Wir verkleiden uns beim Faschingsreiten und er erträgt es, wenn ich lauthals mitsinge. Eben ein echter Herzbube. Unser Pferd für die Seele. Avalon.



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